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Vom Wunschzettel zum fertigen Shop: So definierst du deine Anforderungen richtig

Inhaltsverzeichnis

Geschrieben von

Sven Steinborn

Teamlead | Projektmanager

Zuletzt aktualisiert: 24. Aug. 2026

Jedes Shop-Projekt beginnt mit einem Wunschzettel

Meistens kommt er als Stichpunktliste per Mail. Manchmal als Excel-Tabelle. Und gelegentlich als Link zur Seite eines Wettbewerbers mit dem Kommentar: „So ungefähr, nur besser.“

Wir mögen diese Mails. Sie bedeuten, dass du dir Gedanken über dein Projekt gemacht hast. Aber es gibt eine unbequeme Wahrheit, die wir in Jahren des Shop-Bauens und Betreuens gelernt haben: Ein Wunschzettel ist noch keine Anforderung. Ein Wunschzettel ist eine Sammlung von Funktionen. Anforderungen beschreiben, was dein Unternehmen tatsächlich leisten muss.

Genau in dieser Lücke verbrennen Budgets, reißen Timelines und werden am Ende alle unzufrieden. Also schließen wir sie.

Warum Feature-Listen scheitern

Das häufigste Problem ist nicht ein Mangel an Ideen – es ist eine Anforderungsliste, die in sich nicht funktioniert. Einzeln betrachtet ergibt jeder Punkt Sinn. Zusammen widersprechen sie sich, oder sie beschreiben einen Prozess, den im Unternehmen niemand wirklich so lebt.

Ein paar Beispiele, die uns regelmäßig begegnen:

  • „Wir brauchen einen Produktkonfigurator.“ Super – aber die Produktdaten haben keine Variantenlogik, Preise werden per Hand in einer alten Tabelle gepflegt, und niemand hat entschieden, wer das nach dem Launch aktuell hält.
  • „Kunden sollen den Live-Lagerbestand sehen.“ Auch super – nur liegt der Bestand im ERP, wird einmal täglich manuell aktualisiert, und das Lager arbeitet mit ausgedruckten Listen.
  • „Wir wollen ein B2B-Portal mit individuellen Preisen, plus B2C-Shop, plus Marktplatz-Anbindung.“ Alles machbar. Aber das sind drei Projekte in einem Trenchcoat – und kalkuliert wurde für eins.

Nichts davon ist unmöglich. Zum Scheitern bringt es der Umstand, dass es als Feature formuliert wurde statt als Ziel mit Rahmenbedingungen. Ein Feature ist bereits eine Lösung. Und wer seiner Agentur eine Lösung überreicht, hat die technischen Entscheidungen schon getroffen – meist ohne die Konsequenzen zu kennen.

Die besten Briefings, die bei uns landen, sagen uns nicht, was wir bauen sollen. Sie sagen uns, was am Ende wahr sein muss.

Schritt 1: Fang beim Ziel an, nicht beim Feature

Bevor du den ersten Stichpunkt schreibst, beantworte eine Frage: Was soll dieser Shop für dein Unternehmen leisten, das heute nicht geht?

Und zwar konkret. „Mehr Umsatz“ ist kein Ziel, das ist eine Hoffnung. Das hier sind Ziele:

  • Die Zeit von der Bestellung bis zum Versandlabel von zwei Tagen auf zwei Stunden senken.
  • Unseren 40 B2B-Kunden Nachbestellungen ermöglichen, ohne dass sie im Vertrieb anrufen.
  • Produktdaten nicht länger an drei Stellen gleichzeitig pflegen.
  • Support-Anfragen zum Lieferstatus halbieren.

Wenn du drei bis fünf solcher Ziele hast, lässt sich jeder Feature-Wunsch dagegen prüfen. Zahlt der Produktkonfigurator auf eines dieser Ziele ein? Wenn ja, kommt er mit Begründung auf die Liste. Wenn nein, wandert er auf die Parkbank für später. Dieser eine Filter entfernt rund ein Drittel der meisten Wunschzettel – und niemand vermisst hinterher, was rausgeflogen ist.

Falls dir das schwerfällt: Genau dafür gibt es unsere Konzeptionsphase. Ziele sauber zu formulieren ist die schwierigste Aufgabe im ganzen Projekt – und die, die am meisten Geld spart.

Schritt 2: Beschreib deine Prozesse, nicht deine Seiten

Shops sind keine Websites mit angeschraubtem Warenkorb. Ein Shop ist eine Maschine, die dein Lager, deine Buchhaltung, deinen Kundenservice und dein Marketing berührt. Wenn wir diese Prozesse nicht verstehen, bauen wir ein schönes Frontend, das beim ersten echten Bestellansturm auseinanderfällt.

Schreib also in normaler Sprache auf, wie es heute läuft:

  • Bestellprozess: Was passiert zwischen „Kunde klickt kaufen“ und „Paket verlässt das Haus“? Wer fasst es an? Welche Systeme sind beteiligt?
  • Produktdaten: Wo liegen sie? Wer pflegt sie? Wie oft ändern sie sich? Gibt es Varianten, Bundles, konfigurierbare Artikel oder Mindestabnahmemengen?
  • Preise: Ein Preis für alle, oder kundenindividuelle Preise, Staffelpreise, Netto-/Brutto-Logik für B2B?
  • Bestehende Systeme: ERP und Lagersysteme, PIM, Buchhaltung, CRM, Versanddienstleister, Marktplätze. Benenne sie – inklusive Version. „Wir nutzen JTL“ und „wir nutzen JTL-Wawi mit diesen drei Plugins“ sind zwei sehr verschiedene Ausgangslagen.
  • Zahlung und Versand: Welche Methoden sind nicht verhandelbar? Welche Märkte und Länder?

Du musst nicht den Idealprozess beschreiben. Beschreib den echten, inklusive der unschönen Stellen. Der Workaround, den Sabine aus der Buchhaltung jeden Freitagmorgen macht, ist eine Anforderung – auch wenn ihn nie jemand aufgeschrieben hat.

Und ja: Fast jedes Shop-Projekt steht und fällt mit den Schnittstellen zwischen diesen Systemen. Das ist der Teil, den man von außen nicht sieht und der trotzdem den größten Teil der Entwicklungszeit frisst.

Schritt 3: Trenne Must-have von Nice-to-have – ehrlich

Auf einem Wunschzettel fühlt sich alles wichtig an. Ist es aber nicht. Sortiere deine Liste in drei Töpfe:

  1. Must-have: Ohne das können wir nicht live gehen. Der Shop wäre unbrauchbar.
  2. Should-have: Wollen wir haben, könnten aber ohne launchen und es in Monat zwei nachziehen.
  3. Nice-to-have: Jemand hatte eine gute Idee. Schauen wir nach dem Launch nochmal drauf, wenn wir echte Daten haben.

Die Regel, die das funktionieren lässt: Der Must-have-Topf bekommt eine harte Obergrenze. Wenn mehr als grob ein Drittel deiner Punkte in Topf eins landet, war die Sortierung nicht ehrlich. Geh nochmal durch und frag bei jedem Punkt: „Wenn wir am Montag ohne das live gehen – was ginge dann tatsächlich kaputt?“

Diese Priorisierung ist keine Bürokratie, sie schützt deinen Launch-Termin. Wenn mitten im Projekt etwas Unerwartetes auftaucht (und das tut es immer), lässt sich mit einer klaren Prioritätenliste in einer Stunde entscheiden statt in einer Woche. Wie wir das im Projektalltag steuern, findest du bei unserem Projektmanagement.

Schritt 4: Sei ehrlich zu Daten und Inhalten

Der am meisten unterschätzte Teil jedes Shop-Projekts ist nicht die Entwicklung. Es sind Inhalte und Datenmigration.

Frag dich früh:

  • Wie viele Produkte haben wir wirklich – und wie viele sollen nach dem Launch überhaupt noch existieren?
  • Sind Beschreibungen, Bilder und Attribute vollständig, oder sind 60 % der Felder leer?
  • Müssen wir bestehende Kunden, Bestellungen und Rechnungen migrieren? Wollen wir das?
  • Wer schreibt die neuen Texte? Haben wir Produktfotografie, oder muss die noch organisiert werden?
  • Was passiert mit unseren bestehenden URLs? (Spoiler: Weiterleitungen sind nicht optional, wenn dir deine Rankings etwas bedeuten.)

Ein Relaunch ist die beste Gelegenheit, die du je bekommst, um aufzuräumen. Alte Daten, die man ins neue System schleppt, werden dort nicht besser – sie werden nur zum Problem von jemand anderem, in einer hübscheren Oberfläche. Wo sich Datenpflege dauerhaft automatisieren lässt, schauen wir uns das im Rahmen der Automatisierung direkt mit an.

Schritt 5: Plane den Tag nach dem Launch

Der Go-live ist ein Meilenstein, keine Ziellinie. In die Anforderungen gehört auch, was danach passiert:

  • Wer pflegt den Shop im Alltag, und wie technikaffin ist diese Person? (Das beeinflusst direkt, wie wir das Backend bauen.)
  • Wie sieht der Plan für Updates, Wartung und Backups aus?
  • Welche Auswertungen oder KPIs willst du sehen, und wo?
  • Welches Budget steht für Weiterentwicklung bereit – nicht nur für den Bau?
  • Wer kümmert sich um IT-Sicherheit, sobald echte Kundendaten im System liegen?

Ein Shop, den niemand aktualisieren kann, stirbt langsam. Uns ist etwas leicht Schlichteres lieber, das dein Team wirklich beherrscht, als etwas Beeindruckendes, für dessen Textänderung man jedes Mal zum Telefon greifen muss.

Wie ein gutes Anforderungs-Briefing aussieht

Du brauchst kein 60-seitiges Lastenheft. Ehrlich gesagt: Bitte schick uns keins. Was wir brauchen, ist ungefähr das hier:

  • Deine drei bis fünf Unternehmensziele
  • Eine Beschreibung deiner aktuellen Prozesse und Systeme, unschöne Stellen inklusive
  • Deine priorisierte Feature-Liste (Must / Should / Nice)
  • Ein ehrliches Bild deiner Daten- und Contentlage
  • Deine Rahmenbedingungen: Budgetrahmen, Wunschtermin, interne Kapazitäten, feste Deadlines wie Messen oder Saisonstart
  • Zwei bis drei Referenzseiten – mit einer Notiz, was genau dir daran gefällt

Das sind meistens fünf bis zehn Seiten. Genug, damit wir kluge statt generischer Fragen stellen können – und genug, damit du Angebote verschiedener Agenturen auf derselben Grundlage vergleichen kannst.

So gehen wir das mit dir durch

Falls sich das nach viel Arbeit anhört: Ist es. Deshalb erwarten wir auch nicht, dass du das allein stemmst. Unser Prozess ist darauf ausgelegt, die Anforderungen gemeinsam zu entwickeln:

  1. Workshop. Wir setzen uns mit dir und den Menschen zusammen, die täglich mit dem System arbeiten. Ziele, Prozesse, Schmerzpunkte. Hier kommen die „Sabine aus der Buchhaltung“-Details ans Licht.
  2. Discovery-Phase. Wir schauen uns deine bestehenden Systeme, Daten und Schnittstellen an und klären, was innerhalb von Budget und Zeitrahmen technisch realistisch ist.
  3. Fragebogen. Ein strukturierter Satz Fragen, der alles einfängt, was der Workshop nicht abgedeckt hat – die Details, die sich schriftlich leichter beantworten lassen als im Raum.
  4. Thematische Ausarbeitung. Daraus wird ein konkretes Konzept: Umfang, Architektur, Systemwahl und ein priorisierter Plan, den du guten Gewissens freigeben kannst.
  5. Umsetzung in der Testumgebung. Entwickelt wird in einer Umgebung, durch die du klicken kannst. So siehst du früh Fortschritt und kannst gegensteuern, solange Änderungen noch günstig sind. Der spätere Deployment-Prozess ist von Anfang an mitgedacht.
  6. Qualitätssicherung. Funktionen, Performance, Mobile, Checkout, Schnittstellen, Sonderfälle. Wir machen es absichtlich kaputt, damit deine Kunden es nicht tun müssen.
  7. Go-live und Betreuung. Wir bringen es live, schauen genau hin und bleiben für Wartung und Weiterentwicklung an Bord.

Wir sind bewusst systemoffen. Ob WooCommerceWordPressShopifyShopware 6JTL-Shop oder eine individuell entwickelte Lösung – wir wählen danach, was deine Anforderungen verlangen, nicht danach, was wir dieses Jahr gerade gerne mögen. Als unter anderem JTL-Partner sind wir auf der ERP- und Schnittstellenseite gut vernetzt, und das zählt mehr, als die meisten vermuten – bis die erste Bestellung ihren Weg ins Lager finden muss.

Es ist die schriftliche Beschreibung dessen, was dein Shop für dein Unternehmen leisten muss – keine Funktionsliste. Ein gutes Dokument umfasst Unternehmensziele, aktuelle Prozesse und Systeme, eine priorisierte Feature-Liste, deine Datenlage sowie Rahmenbedingungen wie Budget und Wunschtermin. Fünf bis zehn Seiten reichen dafür in der Regel aus.

Detailliert genug, dass wir kluge Rückfragen stellen können – mehr nicht. Wenn du deine Ziele, deine aktuellen Bestell- und Produktdatenprozesse und grob deinen Budgetrahmen beschreiben kannst, ist das eine solide Basis. Alles Weitere erarbeiten wir gemeinsam im Workshop und in der Discovery-Phase.

Ein Must-have ist etwas, ohne das ein Go-live nicht möglich ist – der Shop wäre schlicht unbrauchbar. Ein Nice-to-have ist eine gute Idee, die bis nach dem Launch warten kann. Wenn mehr als etwa ein Drittel deiner Liste im Must-have-Topf liegt, war die Priorisierung vermutlich noch nicht ehrlich.

Nein, im Idealfall sogar bewusst nicht. Das System folgt den Anforderungen, nicht umgekehrt. Ob WooCommerce, Shopware, Shopify, JTL oder eine Individuallösung am besten passt, hängt von deinen Prozessen, Schnittstellen und deinem Budget ab. Wer die Plattform zuerst festlegt, zahlt später oft für Workarounds.

Bei einem typischen mittelständischen Relaunch rechne mit zwei bis vier Wochen vom Workshop bis zum fertigen Konzept. Komplexe Setups mit mehreren Systemschnittstellen – ERP, PIM, Marktplätze – dauern länger. Es fühlt sich langsam an, ist aber die günstigste Zeit im gesamten Projekt, um seine Meinung zu ändern.

Das wird passieren, und das ist völlig in Ordnung. Weil wir in einer Testumgebung entwickeln, durch die du klicken kannst, siehst du früh Fortschritt und kannst reagieren, solange Änderungen noch günstig sind. Eine klare Must-/Should-/Nice-Liste macht die Entscheidung dann zur Sache von Stunden statt Wochen.

In der Regel ja – die bessere Frage ist allerdings, was davon du überhaupt mitnehmen willst. Ein Relaunch ist der ideale Moment, um Produktdaten aufzuräumen und Artikel auszusortieren, die niemand kauft. Wir prüfen die Qualität deiner Bestandsdaten in der Discovery-Phase und empfehlen, was migriert, bereinigt oder zurückgelassen werden sollte.

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