Shopware 6

llms.txt & agents.md: So machst du deinen Shopware-Shop in 30 Minuten fit für KI-Shopping

Inhaltsverzeichnis

Geschrieben von

Marius Spomer

Web Developer

Zuletzt aktualisiert: 14. Sep. 2026

Seit ein paar Jahren crawlen nicht mehr nur Google & Co. deinen Shop – auch KI-Modelle wie ChatGPT, Perplexity oder Gemini lesen mit, und zunehmend kaufen autonome Shopping-Agenten direkt für ihre Nutzer:innen ein. Für die ist eine normale Shop-Seite mit Navigation, Cookie-Banner und JavaScript-Widgets mühsam zu verarbeiten. Genau da setzen zwei offene Formate an: llms.txt und agents.md.

Was llms.txt und agents.md eigentlich sind

llms.txt ist ein 2024 von Jeremy Howard vorgeschlagenes Format: eine einzelne Markdown-Datei im Stammverzeichnis einer Website, die KI-Systemen eine kuratierte, aufgeräumte Zusammenfassung liefert – Überschrift, kurze Beschreibung, dann Links zu den wirklich wichtigen Inhalten. Der Gedanke dahinter: Ein Sprachmodell soll nicht erst Navigation, Werbebanner und Tracking-Skripte aussortieren müssen, um an die relevanten Informationen zu kommen.

agents.md kommt ursprünglich aus einer ganz anderen Ecke: Es wurde als Format für Coding-Agenten entwickelt – unterstützt unter anderem von OpenAI Codex, Google Jules und Cursor, mittlerweile unter dem Dach der Agentic AI Foundation bei der Linux Foundation. Der Zweck dort: einem Agenten nicht nur sagen, was ein Projekt ist, sondern wie er sich darin verhalten soll – welche Befehle er nutzen darf, welche Konventionen gelten. Shopware überträgt genau dieses Prinzip auf den Shop: agents.md soll einem KI-Agenten keine Werbetexte liefern, sondern Spielregeln – was er tun darf und worauf er sich verlassen kann.

Für Shopware-Betreiber heißt das: „AI Discovery“ wird ein zusätzlicher Sichtbarkeitskanal neben klassischem SEO – kein Ersatz, sondern eine Ergänzung, die früh richtig aufgesetzt einen Vorsprung bringt, solange die meisten Wettbewerber das Thema noch gar nicht auf dem Schirm haben.

Wo die Funktion in Shopware sitzt – und wie du sie aktivierst

Seit Version 6.7.12 bringt Shopware das nativ mit: Verkaufskanäle können jetzt eigene „Sales Channel Files“ veröffentlichen, darunter /llms.txt und /agents.md. Wichtig: Das ist ein Opt-in-Feature, keine automatische Standardveröffentlichung. Wer einen Shopware-6-Shop betreibt, muss die Dateien aktiv einschalten.

In der Praxis sitzt das in den Details des jeweiligen Verkaufskanals: Dort aktivierst du jede Datei einzeln, bekommst eine Vorschau des generierten Inhalts angezeigt und kannst eigene Hinweise ergänzen, ohne den von Shopware oder Plugins gelieferten Standardinhalt zu überschreiben. Betreibst du mehrere Verkaufskanäle – etwa für unterschiedliche Länder oder Marken –, entscheidest du pro Kanal separat, was veröffentlicht wird.

Technisch läuft das über Twig-Templates, die Shopware, Plugins, Apps und Themes über die normale Template-Vererbung erweitern können. Für die reine Aktivierung brauchst du also keine Entwicklung. Sobald es um echtes Feintuning geht – individuelle Inhalte pro Kanal, Anbindung an eigene Datenquellen, Abstimmung mit bestehenden KI-Integrationen –, kommt der Entwickler-Teil wieder ins Spiel.

Was tatsächlich in die Dateien gehört

llms.txt sollte eine kuratierte Übersicht sein: kurze, sachliche Beschreibung des Shops, dann Links zu den Bereichen, die für ein Sprachmodell wirklich relevant sind – Kernsortiment bzw. Kategorien, Versandbedingungen, Rückgaberecht, AGB, Kontaktmöglichkeiten. Keine Marketing-Adjektive, sondern klare Sätze, die eine Maschine ohne Kontext versteht.

agents.md ist eher ein Regelwerk: Welche Handlungen darf ein Agent überhaupt vorschlagen oder ausführen – Produktsuche, Verfügbarkeitsabfrage, Warenkorb befüllen? Wo stehen verbindliche Angaben zu Preisen, Versandkosten und Widerrufsrecht? Und ganz wichtig: was ein Agent nicht automatisch annehmen soll, etwa interne Rabattlogiken oder nicht öffentlich kommunizierte Sonderkonditionen.

Shopware generiert aus den vorhandenen Shopdaten einen brauchbaren Standardinhalt. Für die meisten Shops reicht der aber nicht 1:1 – gerade wenn mehrere Marken oder Länder in einem System laufen, lohnt sich echtes Feintuning, im Zweifel schon in der Konzeption mitgedacht statt später nachgezogen.

Die typischen Fehler – und wie du das Ergebnis testest

Ein neues Feature, das schnell aktiviert ist, wird genauso schnell falsch genutzt. Die häufigsten Stolperfallen:

  • Aktivieren und vergessen: Der generierte Standardinhalt bleibt generisch und wird nie an das echte Sortiment oder aktuelle Angebote angepasst.
  • Alle Verkaufskanäle über einen Kamm scheren: Bei mehreren Marken oder Ländern werden identische Inhalte veröffentlicht, obwohl sich Sortiment, Bedingungen oder Sprache unterscheiden.
  • Zu viel preisgeben: Interne Informationen landen versehentlich in agents.md – etwa Rabattmechaniken oder unveröffentlichte Aktionen, die nicht für Agenten (oder Konkurrenten) gedacht sind. Das ist am Ende auch ein Stück IT-Sicherheit, nicht nur ein Content-Thema.
  • Referenzierte Seiten bleiben veraltet: Die Datei verlinkt auf AGB, Versand- oder Rückgabeseiten, die selbst nicht gepflegt sind – der Agent bekommt dann falsche oder widersprüchliche Informationen.
  • Kein Re-Check nach Updates: Nach einem Theme- oder Plugin-Update wird nicht geprüft, ob eigene Twig-Anpassungen noch greifen oder von einer neuen Version überschrieben wurden – ein Punkt, den man in die reguläre Weiterentwicklung des Shops mit aufnehmen sollte.

Wenn ihr euch nicht sicher seid, ob eure Inhalte überhaupt in dieser komprimierten Form Sinn ergeben, lohnt sich vorher ein Blick von außen – zum Beispiel im Rahmen von Digital Consulting, bevor eine Datei live geht, die niemand mehr pflegt.

Der einfachste erste Test kostet nichts: deinshop.de/llms.txt und deinshop.de/agents.md direkt im Browser öffnen und prüfen, ob die Seite lädt, aktuell ist und pro Verkaufskanal Sinn ergibt. Als zweiten, schnellen Check kannst du einen KI-Assistenten direkt fragen, was er über deinen Shop „sieht“ – nicht wissenschaftlich exakt, aber ein guter Realitätscheck. Am Ende lassen wir sowas bei uns über die SEO-Abteilung laufen, die mit den gängigen SEO-Tools prüft, ob die Datei technisch sauber ausgeliefert wird, wie ein Crawler sie tatsächlich sieht und ob Statuscodes und Verlinkungen stimmen – dieselbe Sorgfalt wie bei jedem anderen technischen SEO-Thema auch, nur eben für ein neues Ziel-Publikum aus Maschinen statt Menschen.

Ausblick: Wohin das führt

llms.txt und agents.md sind erst der Anfang. Shopware selbst deprecatet bereits einzelne Klassen zugunsten einer eigenen Extension für „Agentic Commerce“ – ein Hinweis darauf, dass das Thema gerade schnell in Bewegung ist. Mittelfristig geht es nicht mehr nur darum, dass ein Agent deinen Shop lesen kann, sondern dass er darin auch handeln darf: suchen, vergleichen, im Auftrag von Kund:innen bestellen. Das verschiebt technisches SEO Stück für Stück in Richtung Prozessautomatisierung mit KI – nicht als Ersatz, sondern als zusätzliche Disziplin obendrauf.

Der Standard ist gerade einmal einen Punkt-Release alt und wird sich weiterentwickeln. Wer jetzt einsteigt, lernt mit – wer wartet, muss später mehr auf einmal nachholen. Der eigentliche Unterschied zwischen klassischem SEO und AI Discovery ist am Ende simpel: Bei SEO optimierst du für Rankings, bei AI Discovery optimierst du für das Vertrauen einer Maschine, die stellvertretend für jemand anderen eine Kaufentscheidung mit vorbereitet. Das verändert, wie viel Sorgfalt in Versandbedingungen, Produkttexte und Rückgabeinfos fließen muss – nicht nur in Meta-Tags. Wenn ihr das für euren Shop einmal durchdenken wollt: Wir gehen sowas gemeinsam mit euch nach unserem Prozess an, vom ersten Workshop bis zur laufenden Betreuung danach.

llms.txt liefert einem KI-Modell eine kuratierte Übersicht deines Shops – kurze Beschreibung plus Links zu den wichtigsten Inhalten wie Sortiment, Versand oder AGB. agents.md ist eher ein Regelwerk: Es beschreibt, was ein KI-Agent im Shop tun darf, worauf er sich verlassen kann und was er nicht automatisch annehmen soll, etwa interne Rabattlogiken.

Die native Unterstützung als „Sales Channel Files“ gibt es seit Version 6.7.12, rückportiert für die 6.7.x-Reihe. Auf älteren Versionen lässt sich das Prinzip zwar manuell per einfacher statischer Datei im Shop-Root nachbauen, aber ohne die komfortable Verwaltung, Vorschau und Kanal-Trennung, die das native Feature mitbringt.

Nein. robots.txt steuert, was Crawler überhaupt besuchen dürfen, die Sitemap listet technisch alle URLs auf. llms.txt ist inhaltlich kuratiert und für Sprachmodelle gedacht, die eine kompakte, aufbereitete Zusammenfassung statt einer reinen URL-Liste brauchen. Alle drei Dateien ergänzen sich und sollten nebeneinander bestehen.

Für die Grundaktivierung ja: Du schaltest die Datei pro Verkaufskanal ein, siehst eine Vorschau und kannst eigene Hinweise ergänzen. Für tiefere Anpassungen – individuelle Struktur, eigene Datenquellen, mehrere Marken mit unterschiedlichen Inhalten – greift das System auf Twig-Templates zurück, wofür dann doch Entwickler-Know-how gebraucht wird.

Ja, wenn niemand die Inhalte vor Veröffentlichung prüft. Weil die Datei öffentlich erreichbar ist, landen dort schnell Dinge, die nicht für Außenstehende gedacht sind – etwa Rabattmechaniken oder unangekündigte Aktionen. Deshalb sollte jede Freigabe genauso ein Vier-Augen-Check sein wie bei jeder anderen öffentlichen Shop-Seite auch.

Pro Verkaufskanal. Du entscheidest für jeden Kanal einzeln, ob und mit welchem Inhalt llms.txt und agents.md veröffentlicht werden. Das ist besonders bei mehreren Ländern, Sprachen oder Marken in einem Shopware-System relevant, weil sich Sortiment und Bedingungen zwischen den Kanälen deutlich unterscheiden können.

Das lässt sich pauschal nicht sagen – es hängt vom jeweiligen Anbieter, dessen Crawling-Rhythmus und davon ab, ob ein Modell die Datei überhaupt aktiv einliest. llms.txt ist eine Konvention, keine Pflichtvorgabe, an die sich jedes System halten muss. Ein direkter Test per Nachfrage beim jeweiligen Assistenten zeigt schneller, was tatsächlich ankommt, als reines Abwarten.

Aus unserer Sicht ja, gerade weil der Standard neu ist. Wer nicht wartet, bis alle es machen, sammelt jetzt Erfahrung, während die meisten Wettbewerber das Thema noch gar nicht auf dem Schirm haben. Technisch ist der Aufwand überschaubar, das eigentliche Investment steckt in gepflegten, ehrlichen Shop-Inhalten.

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